»GALILEO SAR LAWINE« - Eines der ersten Forschungsprojekte im Bereich von Galileo Anwendungen - PDF Drucken E-Mail
Was

Schnelles und hochgenaues Auffinden von Lawinenverschütteten mit Galileo.

Wie

Ortung von Lawinenverschüttetensuchgeräten* durch 3G-Satellitennavigation**. Zukünftig ist auch die Ortung von Mobiltelefonen geplant.

Warum

Aktuelle Suchverfahren sind oft zeitintensiv. Die Überlebenschance Verschütteter sinkt mit jeder Minute.

Wofür

Professionelle Rettungskräfte, später ist auch die Kameradensuche angedacht.

Wo

Bei Lawinenabgängen, Systemtechnik auch ausweitbar auf weitere Szenarien (Gebäudeeinsturz, Erdbeben, Muren, etc.).

Wann

Erfolgreiche Tests mit einer Ortungsgenauigkeit von unter 1 Meter wurden bereits absolviert.

Wer

Kernpartner des Projekts >>Galileo SAR Lawine<<

  • Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Prien am Chiemsee
  • proTime GmbH, Prien am Chiemsee
  • Hochschule Rosenheim
  • Volmer Informationstechnik

 

*LVS (Lawinenpiepser), **3G: GPS, GLONASS und Galileo Satnav

 

Hintergrund

Im Rahmen der Initiative Satelliten Navigation Berchtesgadener Land wurde in Fachgesprächen mit SatNav-Experten und -Anwendern, wie z.B. die Bergwacht Berchtesgaden, über die Nutzung von Galileo diskutiert. Als besonders hilfreich wurde die Satellitennavigation im Bereich Sicherheit und Rettung identifiziert.

 

»Galileo SAR Lawine«

Zur Entwicklung einer der ersten Galileo Anwendungen in diesem Bereich wurde das Forschungsprojekt »Galileo Search and Rescue (SAR) Lawine« ins Leben gerufen. Hierbei werden neuartige Ortungs- und Lagebestimmungsmöglichkeiten in die Praxis umgesetzt. »Galileo SAR Lawine« nutzt das zukünftige europäische Satellitennavigationssystem Galileo um die Richtung, die Entfernung und die Tiefe von verschütteten Lawinenpiepsern hochgenau zu bestimmen. Dadurch könnten die Rettungskräfte bereits kurz nach dem Eintreffen am Einsatzort über die Position der Verschütteten informiert werden.

 

Ansatz

Der Projektansatz ist die genaue Position und Lage eines Empfängers mit zu berücksichtigen. Daraus lässt sich ein dreidimensionales Modell des gesendeten Feldes bestimmen. Dies wiederum liefert die exakte Position und Lage des Verschütteten.

 
ORTUNG - Herausforderung und Chance PDF Drucken E-Mail

Ausgangssituation - Wenn jede Minute zählt…

Nach Lawinenabgängen sinken mit jeder Minute die Überlebenschancen der Verschütteten. Schon ab 15 Minuten Verschüttungsdauer sinkt die Überlebenschance rapide. Die Bergungen sind aufgrund des knappen Zeitfensters und der komplexen manuellen sowie zeitintensiven Ortung mit gängigen LVS oft nicht erfolgreich. Dies zeigt die Notwendigkeit einer Innovation innerhalb der Lawinenrettung.

 

LVS-Suche

Bei den konventionellen Suchmethoden mit Lawinenpiepsern sind die Punktortung und Sondierung zeitintensiv. Zusammen betragen diese zwei Phasen bis zu 60% der Suchzeit.

 

Ortung mit »Galileo SAR Lawine«

Durch die Ortung mit »Galileo SAR Lawine« wird die Position des Verschütteten bereits auf wenige Dezimeter eingegrenzt. Damit entfällt die Feinortung und die Punktortung wird deutlich verkürzt. Die Sondierungsphase kann bei dieser Genauigkeit auf ein Minimum reduziert werden. Insgesamt ist so eine Zeitersparnis von bis zu 40% möglich.

 

suchzeit_

 

 
Technische Funktionen und Potentiale PDF Drucken E-Mail

systemkomponentenTechnische Funktionen und Komponenten des Forschungsprojekts »Galileo SAR Lawine«:

  • 3D-Antenne für LVS-Signale mit 3-Kanal analog/digital- Wandler für die x/y/z-Achse des Feldes
  • Hochgenaue relative Positionsbestimmung der 3D- Antenne unter Nutzung von GPS, GLONASS und Galileo (3G-SatNav) im Zentimeterbereich
  • Lagebestimmung (Richtung und Neigung) der 3D-Antenne mittels Kompass und Beschleunigungssensor
  • Modellierung des Feldes anhand der gemessenen Feldvektoren und deren genauer Position

 

Potentiale von »Galileo SAR Lawine«:

  • Präzise Information über Richtung, Entfernung, Tiefe und Anzahl der Verschütteten
  • Direkte Führung der Einsatzkräfte an den genauen Ort des Verschütteten
  • Sofortige simultane Lokalisierung auch von mehreren Verschütteten
 
Vorgehen, Ergebnis und Ausblick PDF Drucken E-Mail

Vorgehen

Im Galileo Testgebiet Berchtesgaden (GATE), einer realen Testumgebung für Galileo-Anwendungen, wird das Galileo-Satellitensignal schon jetzt über Sendeantennen auf sechs Berggipfeln simuliert. »Galileo SAR Lawine« wird somit zusätzlich zu den Labortests auch unter realen Bedingungen entwickelt. Die Zusammenarbeit mit Bergwacht und Polizei gewährleistet, dass direkt auf die praktischen Anforderungen der Rettungskräfte eingegangen wird.

 

Ergebnis

Mit dem Forschungsprojekt »Galileo SAR Lawine« wird ein neuartiges Suchgerät für Verschüttete, inklusive hochgenauer Positions- und Lagebestimmung mittels 3G-Satellitennavigation, entwickelt. Erste Systemtests unter realen Bedingungen zeigen vielversprechende Ergebnisse.

 

Ausblick

Da zahlreiche Wintersportler keine Lawinenpiepser mit sich führen, fast alle aber ein Mobiltelefon, soll die Systemtechnik von »Galileo SAR Lawine« auf die Ortung verschütteter Mobiltelefone ausgeweitet werden. Hierfür muss nicht nur die Empfangsantenne des Systems angepasst werden, sondern auch die Messtechnik.


Neben der Mobiltelefonortung wäre eine Transfermöglichkeit der »Galileo SAR Lawine«-Systemtechnik auf weitere Signalquellen (z.B. Schall-Ortung) und zusätzlichen Anwendungsszenarien bei der Vermisstensuche wie etwa bei Erdbeben, Gebäudeeinstürzen oder Murenabgängen von Nutzen. Neben der Ortung von verunglückten Personen ist die »Galileo SAR Lawine« Systemtechnik auch für die Koordination und Bewegungserfassung von mit Sendern ausgestatteten Einsatzkräften anwendbar.


Darüber hinaus können die Ergebnisse zur hochgenauen relativen Positionsbestimmung mittels 3G-SatNav oder die Lagebestimmung eines mit einem Hochfrequenzsenders ausgestatteten Objektes Verwendung finden. Somit ist es denkbar, die Ergebnisse auch für die Suche von Vermissten zu nutzen.

 

 

 
Gewinner der EUROPEAN SATELLITE NAVIGATION COMPETITION 2009 PDF Drucken E-Mail

pokal-esncDie Idee eines »Avalanche Rescue Navigators«, die innerhalb des Forschungsprojektes »Galileo SAR Lawine« entwickelt wurde, ist im Rahmen des Galileo Masters Wettbewerbs ausgezeichnet worden. Somit dürfen sich die Initiatoren Wolfgang Inninger und Gerd Waizmann als bayerischer Preisträger der internationalen »European Satellite Navigation Competition« 2009 bezeichnen. Dies zeigt die Kompetenz und Innovationskraft der Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschung innerhalb der Initiative Satelliten Navigation Berchtesgadener Land.


Haben auch Sie eine Aufgabe, die mittels Satelliten Navigation gelöst werden kann, oder eine Idee zur innovativen Nutzung von SatNav? Wir helfen Ihnen gerne bei der Umsetzung.

 
Weitere Anwendungsbereiche PDF Drucken E-Mail

Transfer der Systemtechnik des Projektes „Galileo SAR Lawine“ auf die Suche von Einsatzkräften/ Personen

  • in verschütteten Gebäuden z.B.
  • nach Terroranschlägen
  • Murenabgängen
  • (Dach-)Einstürzen
  • in fremdem Gelände abgesetzten/ vermissten/ verletzten Einsatzkräften/ Personen

Transfer/ Einsatz der „Galileo-unabhängigen SatNav-Systemtechnik“ des Projektes „Galileo SAR Lawine“

  • in der Ausrüstung von Hubschraubern
  • in der Ausrüstung relevanter Sicherheits(spezial-)kräfte
  • bei der Positionsbestimmung von mit Funksendern ausgerüsteten Sicherheitskräften/ Person
  • zur Sicherung von Einsatzkräften ggfls. im Zusammenwirken mit THW, Feuerwehren, … - auch indoor!
  • zur Ortung von im Gelände abgesetzten bzw. verletzten Sicherheitskräften/ Personen.
  • zur erforderlichen Räumung von Gebieten nach Terroranschlägen, Katastrophen, Kriegsszenarien (z.B. Afghanistan)
  • für die Lokalisation von Sicherheitskräften/ Personen in speziellen Indoor Bereichen
  • in der Erfassung von Bewegungs- und Verhaltensprofilen in der Überwachung von verdächtigen Personen
  • für die Positionsbestimmung von Akustiksendern (Schall)
  • für die Rettung von Einsatzkräften/ Personen (Ortung von Klopfzeichen, …)
 


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