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Wenn es bei Lawinendramen um Leben und Tod geht, zählten jede Sekunde und jeder Zentimeter. Deshalb wurde jetzt an der Hochschule Rosenheim ein völlig neuartiges Lawinensuchgerät entwickelt. Die Spezial-Antenne ortet einen im Schnee vergrabenen Lawinenpiepser mit einer Präzision von wenigen Zentimetern - viel genauer, als dies mit den bisherigen Modellen möglich ist.
Rosenheim - Am Wendelstein und Unternberg wurden Skifahrer und Snowboarder verschüttet, am Geigelstein verschwand die Almhütte der "Oberkaser-Mare" unter einem turmhohen Schneeberg, bei Ruhpolding erwischte es eine Pistenraupe samt zweiköpfiger Besatzung: Die vielen Dramen mit teils tödlichem, teils glücklichem Ausgang aus dem "Lawinenwinter 2009" sind noch gut in Erinnerung. Nun können die Lawinenretter im Wettlauf gegen die Zeit auf ein neues Instrument aus der Ideen-Schmiede der Fachhochschule hoffen, das die Suche nach Verschütteten wesentlich erleichtern soll.
FH-Technik, die Leben retten wird: Professor. Dr. Wolfgang Mayr (links) testet die Spezialantenne zusammen mit einem Bergwachtler am Jenner. Foto fkn
Die satellitengestützte Messtechnik ist bereits mit Erfolg am Königssee getestet worden. Bei den Messungen im Tiefschnee an der Mittelstation der Jennerbahn waren alle am Projekt Beteiligten sowie Mitglieder der Bergwacht Berchtesgaden beeindruckt von den Fähigkeiten der "FH-Erfindung".
FH-Professor Dr. Wolfgang Mayr: "Wir sind überrascht, wie genau man einen Lawinenpiepser unter dem Schnee orten kann, wenn man die neuesten technischen Möglichkeiten einsetzt. Das haben wir zu Projektbeginn nicht erwartet." Bis die Antenne als fertiges Produkt tatsächlich zum Einsatz kommt, müsse noch weitere Entwicklungsarbeit geleistet werden, so der engagierte Forscher weiter.
Vor zwei Jahren begannen die Professoren Dr. Wolfgang Mayr und Dr. Markus Stichler mit zwei Studentengruppen des Studienganges Elektro- und Informationstechnik an der Fakultät für Ingenieurwissenschaft der Hochschule Rosenheim mit den Forschungen. Schritt für Schritt entwickelten sie eine Spezial-Antenne, die Elektronik für die Messung der magnetischen Felder des Suchgerätes (Lawinenpiepser) und den Algorithmus für die genaue Lokalisierung. So zeichnete sich schnell ab, dass "mit einem modernen Satelliten-Navigationssystem eine wesentliche Verbesserung der Lawinenrettung möglich ist", so Mayr.
Für das ehrgeizige Projekt holten sie sich kompetente Partner ins Boot. Von der Firma Protime GmbH aus Prien stammt die Elektronik für die exakte Orts- und Lagebestimmung sowie die Kommunikation. Das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik initiierte das Projekt, stimmte die Anforderungen mit den Projektpartnern ab und übernahm die Projektkoordinierung.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstützt das Projekt über das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit öffentlichen Mitteln. Dr. Oliver Funke, zuständiger DLR-Projektleiter, gratulierte den FH-Professoren: "Es ist toll, was Sie mit Ihren Studenten gemacht haben." Angetan von der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft ist auch Elektroingenieur Gerd Waizmann, Geschäftsführer der Protime GmbH und Mitglied im Industriebeirat der Hochschule: "Als regionales Unternehmen nutzen wir das Wissen der Hochschule, zugleich arbeiten die Studenten an interessanten Aufgabenstellungen aus der Praxis. Das Projekt zeigt, welche anspruchsvollen Aufgaben Studenten der Elektro- und Informationstechnik in Rosenheim lösen können."
Jetzt hoffen alle Beteiligten, dass das Produkt so schnell wie möglich marktreif ist. Denn der nächste Lawinenwinter kommt bestimmt.
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